Muss ich mich wundern, dass die Menschen immer mehr Wegwerfklamotten besitzen?

Nein! Natürlich nicht.

Ein Bericht bei Fashion United zum Thema: Immer mehr, immer billiger, immer schneller in die Tonne

In den letzten 20 Jahren überschwemmen Vertikalhersteller wie Mexx, Pimkie und Esprit die Innenstädte und nennen ihre Ware sogar Designermode. Zara und H&M sind ganz weit vorn am Markt dabei, sind aber in jeder Hinsicht innovativ und haben zumindest attraktive Styles. Einzelhändler und Boutiquen sind kaum noch zu finden. Die Ladenmieten kann keiner mehr bezahlen und Qualität beachtet kaum noch ein Kunde. Die Zettellage in den Kleidungstücken kann kaum jemand verstehen, denn es sind ganze Bibeln in fünf Sprachen in Miniaturschrift mit unübersichtlichen Informationen eingenäht. Das Angebot der Billig-Kleidung ist zu verlockend und vor der Haustür oder Online einfach zu bekommen.

Zwar sehen die Sachen ziemlich schnell ramponiert aus, aber das nimmt der Mensch in Kauf oder es wird sich noch über die Qualität beschwert. Grosse Ketten nehmen ihre Ware auch nach genauem Betrachten und mit dem entsprechenden Kassenbon eine ziemlich lange Zeit zurück.

Weil der Kunde es verlangt und der Handel den schnellen Umsatz wittert, ist ein hässlicher Kreis entstanden. Die Klamotten werden immer willkürlicher, langweiliger und austauschbarer. Das heisst, dass es in Wirklichkeit wenig Neues gibt. Aber es muss ja etwas in den Regalen liegen und an den Stangen hängen.

Wenn man genau schaut, kann man sehen, dass auf den Ladenflächen mehr Platz ist und der SALE-Bereich immer grösser wird. Die Modelle in den Geschäften sind auch nicht wirklich neu, das heisst, was heute in Geschäft X hängt, ist im nächsten Monat in Laden Y zu finden.

Wie können wir uns darüber beschweren, dass in dritte Weltländern Hallen einbrechen und Tote beklagt werden, wenn wir doch selbst die Initiatoren sind?

Der Kunde will am liebsten alles gratis und zu 1A Qualität und die Möglichkeit wird ihm ja auch suggeriert. Der Handel will dem gerecht werden und guten Umsatz machen. Die Kosten müssen gedeckt sein und der Gewinn muss stimmen. Das hat zur Folge, dass in den Produktionsländern die Preise bis aufs Äusserste gedrückt werden. Es sind zwar viele Menschen mit der Produktion von Bekleidung beschäftigt, aber vor Ort reicht es kaum für die Instandhaltung der Produktionswerkzeuge und zum Leben auch nur eben gerade so.

Wie kann man mit den Überhängen an Bekleidung weiter verfahren?

Ist unsere Einstellung zu pronta Moda reversiebel?

Wie wäre es, wenn wir tatsächlich die Bestände unseres Kleiderschrankes checken und überprüfen, welche Kleidungsstücke ihren Job getan haben und welche wirklich noch brauchbar sind?

Brauchen wir 15 Billigblusen in weiss oder täten es auch sieben Blusen in einer guten Qualität, einem modernen Schnitt und einem angenehmen Tragkomfort mit einer längeren Haltbarkeit?

Wenn wir alle mit mehr Aufmerksamkeit und Bedacht shoppen gehen, hätten wir weniger Frust wegen des sinnlos überfüllten Kleiderschrankes, in dem ja eh nichts drin ist und wir hätten weniger Bekleidungsmüll, der zum Teil noch nicht mal abbaubar ist, weil so viel Plastik darin ist. Einschlägige Kleidersammlungen möchten diese Sachen übrigens auch nicht haben.

Alle sprechen von der armen Umwelt, wann fangen wir endlich an dafür etwas zu tun?

Ich halte es wie Oscar Wilde „Ich bin zu arm, um mir Billiges zu leisten“